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Cannabis aus der Apotheke: eine Bestandsaufnahme

Cannabis auf Rezept

Seit dem 10. März 2017 dürfen deutsche Ärzte ihren Patienten Cannabis auf Rezept verschreiben. Bis zu diesem Zeitpunkt war es ausschließlich für Menschen mit einer Ausnahmegenehmigung möglich, Cannabis aus der Apotheke zu beziehen. Diese Ausnahmegenehmigungen, die zuletzt gerade einmal kaum mehr als 1.000 Menschen erteilt wurden, sind nun hinfällig. Somit ist es nun – im Gegensatz zu vorher – auch grundsätzlich möglich, sich die Kosten für die Cannabismedizin von der Krankenkasse erstatten zu lassen, auch wenn derzeit noch über die Hälfte der Anträge auf Kostenerstattung von den Krankenkassen abgelehnt werden.

Ärger mit der neuen Regelung

Doch nicht nur dieser Umstand sorgt für Unmut. Ein weiteres Ärgernis für deutsche Cannabispatienten sind die Preise für medizinisches Marihuana und andere Cannabisprodukte aus den Apotheken. Nach der Verabschiedung des neuen Cannabis-Medizin-Gesetzes sind die Preise für Cannabis aus der Apotheke auf über 20 Euro pro Gramm gestiegen und liegen damit nun über dem Doppelten, was man für Cannabisblüten auf dem Schwarzmarkt zahlen würde. Des Weiteren klagen viele potentielle Cannabispatienten darüber, dass ihnen viele Ärzte aus den verschiedensten Gründen überhaupt kein Cannabis verschreiben möchten – dabei ist ein wesentlicher Eckpfeiler des neuen Gesetzes eigentlich, dass die potentiellen Patienten nicht mehr als „austherapiert“ gelten müssen. Denn bislang bekam nach der alten Regelung nur eine Ausnahmegenehmigung, wer nachweisen konnte, dass alle anderen Therapien versagt haben.

Die ersten Umsätze

Nachdem das neue Gesetz nun seit einem halben Jahr in Kraft ist, gibt es auch die ersten Zahlen über die Cannabis-Verkäufe der deutschen Apotheken im ersten Halbjahr 2017. So wurden zwischen dem 10. März und Ende März 564 „Abgabeeinheiten“ Cannabis verkauft. Darunter fallen cannabishaltige Zubereitungen oder gänzlich unverarbeitete Cannabisblüten. Im April wuchs die Zahl der verkauften Abgabeeinheiten auf 1.468, im Mai auf 3.666 und im Juni bereits auf 4.921 an. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum über 5.100 Rezepte eingelöst. Wie viele Cannabispatienten dadurch jedoch versorgt wurden, ist unklar, da darüber keine Zahlen vorliegen. Zusätzlich zu diesen unverarbeiteten Blüten (Marihuana) und den cannabishaltigen Zubereitungen wurden außerdem im Zeitraum zwischen Anfang März und Ende Juni 2017 noch rund 12.500 Fertigarzneimittel mit Cannabisinhaltsstoffen in deutschen Apotheken verkauft. Darunter fällt zum Beispiel das bekannte Arzneimittel Sativex, ein Spray zur Anwendung in der Mundhöhle, das aus Cannabisblüten und -blättern hergestellt wird und das 25 Milligramm CBD (Cannabidiol) und 27 Milligramm Delta-9-Tetrahydrocannabinol pro Milliliter enthält. Viele deutsche Mediziner bevorzugen den Einsatz solcher Fertigarzneimittel im Gegensatz zum Einsatz von Cannabisblüten.

Wie geht es weiter?

Wie wird es nun mit dem Einsatz von Cannabis als Medizin in Deutschland weitergehen? Derzeit gibt es vor allem das Problem, dass die Apotheken (und somit vor allem die Patienten) unter extremen Lieferschwierigkeiten leiden. Vielerorts ist nicht eine einzige der insgesamt 14 verschiedenen Cannabissorten lieferbar – ein unhaltbarer Zustand für die Cannabispatienten, von denen viele keine andere Möglichkeit sehen, als ihr Marihuana selbst anzubauen. Da dies nach wie vor jedoch grundsätzlich illegal ist, trauen sich dies viele Patienten jedoch nicht oder möchten dies grundsätzlich nicht und müssen nun unter den Lieferschwierigkeiten leiden. Derzeit werden die deutschen Apotheken ausschließlich mit importiertem Marihuana beliefert – die ersten Blüten von deutschen Anbauflächen werden erst im Jahr 2019 zur Verfügung stehen. Es besteht also noch einiger Bedarf an Nachbesserungen: viele Ärzte weigern sich, Cannabis zu verschreiben; viele Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Medizin nicht; Apotheken haben keine Cannabisblüten vorrätig, zudem sind die Preise deutlich zu hoch – an der Umsetzung des Cannabis-als-Medizin-Gesetzes gibt es also noch einiges auszusetzen. Glücklich also diejenigen Patienten, die in ihren Heimatländern ihre Cannabismedizin selbst anbauen dürfen. Auch weil so ein viel größeres Sortiment an verschiedenen Cannabissorten als in der Apotheke zur Verfügung steht und verschiedene Erkrankungen dadurch viel zielgerichteter therapiert werden können.

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