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Cannabis-Doping im Profisport?

Seit dem 14. Juni befindet sich die (Sport-)Welt mal wieder im mehrwöchigen Ausnahmezustand: 32 Nationalmannschaften aus aller Welt kämpfen um den WM-Pokal und Millionen Menschen verfolgen das Spektakel in den Stadien und an den TV-Bildschirmen. Und sicher wird, neben dem obligatorischen Bier, auf den Rängen oder beim Public Viewing wieder der ein oder andere Joint geraucht werden. Doch wie sieht es bei den Spielern selbst aus? Können sie in ihrer Freizeit eigentlich auch mal den Vaporizer aufheizen, ohne Probleme mit der Doping-Aufsicht zu bekommen? Und wie verhält es sich diesbezüglich mit anderen Sportarten?

Das sagt die Welt-Anti-Doping-Agentur

Um diese Frage zu beantworten, ist es zunächst einmal wichtig zu klären, was die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) von Cannabis hält. Die Antwort darauf ist zweigleisig, und zwar insofern, als das der Wirkstoff THC auf der Liste der in Wettkampfphasen verbotenen Mittel steht, wohingegen das Cannabinoid CBD, das zur Zeit in weiten Teilen Europas und Nordamerikas einen wahren Boom (nicht zuletzt im medizinischen Bereich) erlebt, seit Anfang 2018 als unbedenklich eingestuft wird und damit auch während der Wettbewerbe zugelassen ist.

UFC-Star Nick Diaz in Vorreiterrolle

In diesem Zusammenhang hat vor allem eine Pressekonferenz im August 2016 die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erregt, während der sich der MMA-Star Nate Diaz genüsslich vor den Augen der Weltpresse eine Ladung CBD-ÖL durch den Vapo zog. Diaz brachte damit einen Stein ins Rollen und eine Diskussion in Gang, an deren Ende die Kampfsport-Organisation UFC einlenkte, dem Beispiel der WADA folgte und das Cannabinoid CBD letztlich von der Liste der verbotenen Mittel strich. Die andere Seite der Medaille bekam zum Beispiel der Snowboarder Ross Rebagliati bei den Olympischen Winterspielen im Jahr 1998 zu spüren. Der Wintersportler sah sich gezwungen, den ersten Platz wieder zu räumen, nachdem seine Dopingprobe positiv auf THC getestet wurde.

Sonderregelungen in NBA und NFL

In zwei der großen nordamerikanischen Sportligen, der NBA (Basketball) und der NFL (Football) fand man, zumindest in der Praxis, eine andere Regelung. Zwar ist THC auch hier auf der Liste der verbotenen Mittel zu finden, allerdings finden entsprechende Tests nur einmal im Jahr statt, was de facto einem Wegschauen gleich kommt. Es ist kein Geheimnis, dass diese besonders inkonsequente Handhabung eine Reaktion (böse Zungen könnten auch von einer Resignation sprechen) auf die überproportionale Vorliebe und Verbreitung für und von Marihuana bei dem Gros der Athleten beider Sportarten ist. NFL-Spieler Martellus Bennett gab an, dass er glaube, ungefähr 89 % der Athleten würden regelmäßig Marihuana konsumieren. Kurios: die erfolgreiche Dispensary-Kette „Native Roots“ aus Colorado stand sogar kurze Zeit für den Kauf des Stadions des Football-Teams der „Denver Broncos“ im Gespräch. Ähnlich sieht es in der NBA aus. Der frühere US-Basketballstar Kenyon Martin schätzte in einem Interview, dass etwa 85 % der NBA-Spieler Cannabis konsumieren. Dazu passt auch, dass die Strafen bei einem Vergehen vergleichsweise milde ausfallen: Beim erstmaligen Versuch fallen für Sünder beispielsweise 25.000 Dollar Geldstrafe an, ein Betrag, den ein NBA-Spieler wohl ohne mit der Wimper zu zucken aus der Portokasse bezahlt.

Fußballverbände: kein Herz für Stoner

Im europäischen Spitzenfußball wird man über solch milde Strafen nur lächeln können. Der letzte Fall von „Cannabisdoping“ liegt zwar schon 15 Jahre zurück, doch da es keinen aktuelleren Präzedenzfall gibt, muss die ausgesprochene Strafe wohl nach wie vor als maßgeblich gelten. U-20-Nationaltorwart Alexander Walke, der 2003 positiv auf Cannabis getestet wurde, wurde für sieben Monate von allen nationalen und internationalen Wettbewerben ausgeschlossen und musste zusätzlich eine Geldstrafe von 10.000 Euro ableisten. Nicht nur für einen U-20-Spieler bedeutet das wohl traurigerweise in den meisten Fällen das vorzeitige Karriereende. Inwiefern es fair ist, THC als leistungssteigerndes, und damit zu verbietendes, Mittel zu listen, steht auf einem ganz anderen Papier. Zumindest ist es konsequent, da auch etwa Alkohol ebenso kategorisiert wird. Der amerikanische Hollywood-Schauspieler, Comedian und begeisterte Radfahrer Robin Williams hatte allerdings einen ganz andere Meinung zu dem Thema, die die meisten Konsumenten wohl teilen würden: „Marihuana steigert Vieles – Farben, Geschmack, Erlebnisse – , aber sicher macht es nicht sportlicher. Der einzige Weg, wie es die Leistung steigern kann, ist, wenn ein Schokoriegel am Ende der Ziellinie wartet.“

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