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Cannabis Normal! Die Konferenz des Deutschen Hanfverbands

Cannabis Normal?

Cannabis Normal! Der Titel der am 3. und 4. November abgehaltenen Konferenz des Deutschen Hanfverbands (DHV) hätte nicht treffender gewählt werden können: Cannabis ist Normalität für Hunderte Millionen Menschen weltweit. Das einzige, das nicht normal zu nennen ist, ist die Verfolgung von Cannabis und den Konsumenten, die nach Jahrtausenden der friedlichen Nutzung von Cannabis seit bald Hundert Jahren in großen Teilen der Erde praktiziert wird. Doch es tut sich einiges auf der Welt: Legalisierungen und Entkriminalisierung von Weed und Co. sind auf dem Vormarsch.

Und in Deutschland? Selbst dort ist zu spüren, dass die Prohibition zwar noch nicht in ihren letzten Zügen liegt, aber immerhin auf ihr Ende zusteuert: Medizinisches Cannabis ist nun Realität, die deutsche Medienlandschaft hat im Querschnitt inzwischen begriffen, dass es keinen Sinn macht, weiter die Lügen der Prohibitionisten zu verbreiten und nähert sich der Wahrheit an, und auch die (nicht betroffene, da nicht konsumierende) Bevölkerung geht inzwischen zu großen Teilen ganz unaufgeregt und offen mit dem Thema um. Ja sogar drei der großen deutschen Parteien – Linke, Grüne und die FDP – fordern eine Freigabe von Cannabis.

Sicherlich nicht ganz zufällig platzierte der DHV daher auch den Termin der Konferenz auf Anfang November, also mitten in die Zeit der „Jamaika-Verhandlungen“ zwischen der Union, Grünen und der FDP. Experten aus Politik, Wissenschaft, Medizin, Suchtberatung und Rechtsprechung wurden eingeladen, um untereinander und mit den rund 300 Besuchern verschiedenste Cannabis-Themen zu besprechen. Neben den Eröffnungs- und Abschlusspanels wurden an den beiden Veranstaltungstagen 17 Themenblöcke angeboten, von denen meist drei parallel abliefen und die etwa mit den Themen Führerschein-Grenzwerten, Jugendschutz, Polizeiarbeit, Konsumformen oder medizinischer Verwendung sehr viele Aspekte von Cannabis und der Verwendung von Cannabis abdeckten.

Normalisierung und Professionalisierung

Die „Cannabis Normal!“-Konferenz wollte also ein breites Spektrum an Themen abdecken und den Umgang mit Cannabis normalisieren und professionalisieren. Und in diesem Sinn eröffnete auch der Geschäftsführer des DHV, Georg Wurth, am Freitagmorgen die Konferenz: „Wir werden hier nicht darüber sprechen, dass die Legalisierung sinnvoll ist. Jeder von uns hier könnte mit Frau Mortler in eine Talkshow gehen und sie an die Wand reden.“ Anschließend starteten die Panels der Konferenz. Nicht alle Vorträge der beiden Tage waren gleichermaßen gut besucht, da meist drei gleichzeitig stattfanden und sich so teilweise Favoriten der Besucher herauskristallisierten. Der Freitag startete etwa mit den drei Panels „Rechtsstaat und Cannabisverbot“, „Führerschein-Grenzwerte“ und „Regulierung und Jugendschutz“.

Der Nachmittag wurde mit den drei Blöcken „Polizei und Cannabisverbot“, „Akzeptierte Drogenarbeit und Regulierung“ sowie dem Panel „Ökonomische Aspekte von Legalisierung und Prohibition“ fortgesetzt. Der späte Freitagnachmittag stand dann im Zeichen der Politik. Bis auf Unionspolitiker und AFD-Personal waren Vertreter aller großen Parteien vor Ort. In einem waren sich leider alle einig – es wurde immer wieder erwähnt, dass Prozesse wie eine Entkriminalisierung oder Legalisierung sehr viel Zeit benötigen und in der Politik nichts von heute auf morgen umgesetzt wird. Auch in der Frage, ob Cannabis freigegeben werden sollte, waren sich die Politiker im Großen und Ganzen doch recht einig. Die leisesten Töne kamen dabei von Thomas Isenberg von der SPD, der berichtete, dass seine Teilnahme an der Veranstaltung noch vor acht Jahren durchaus geeignet gewesen wäre, um seine politische Karriere in der SPD zu beenden.

Von den Politikern der CDU/CSU wusste dann Frank Tempel (Die Linke) zu berichten, dass einige unter ihnen sehr wohl wüssten, dass die von vielen von ihnen vertretene, extrem ablehnende Haltung gegenüber Cannabisthemen völlig überzogen oder sogar sachlich falsch ist und sie auch nicht davon abzubringen seien. „Das sind Feinde bis zum Schluss“, drückte er es aus. Daher wunderte auch nicht, dass er prognostizierte, dass mit der Union unter keinen Umständen das Cannabiskontrollgesetz in den Koalitionsvertrag aufgenommen wird. Sanftere Schritte in die richtige Richtung schloss er allerdings nicht aus: „Ich bin sehr optimistisch, dass es gelingen kann, wenn man der Union eine Möglichkeit zur Gesichtswahrung geben kann.“

Frau Strack-Zimmermann von der FDP wurde bezüglich der Jamaika-Koalitionsverhandlungen gefragt, warum denn das Thema Cannabis in den Verhandlungen so kurz komme, wo doch FDP und Grüne dafür seien. Die Antwort enttäuschte natürlich, dürfte aber jedem eigentlich auch vorher schon klar gewesen sein – andere Themen seien einfach wichtiger, daher könne man nicht darauf bestehen: „Das wäre unseriös.“ Trotz diverser solcher Dämpfer war die Stimmung auf der Konferenz aber voller Euphorie und Vorfreude. Man konnte deutlich spüren, dass die Prohibition nicht noch ein paar Jahrzehnte bekommen wird, um ihre Lügen und Ungerechtigkeiten zu verbreiten – Legalisierung liegt in der Luft.

Cannabis-Auszeichnung für einen Polizisten

Am nächsten gab es unter anderem Themenblöcke zu Modellprojekten der Cannabisabgabe, neuen Konsumformen, den Global-Marijuana-Marches, internationalen Entwicklungen und Cannabis als Medizin. Natürlich gab es auch ein Panel zum Führerscheinrecht, das unter dem Titel „Ersatz- und Doppelbestrafung“ abgehalten wurde, und thematisch einen der aktuellen Arbeitsschwerpunkte des DHV abdeckte. Die Bestandsaufnahme fiel wie zu erwarten zunächst äußerst deprimierend aus: Cannabiskonsumenten mit Führerscheinen wird durch Führerscheinentzug und Zwangsmaßnahmen das Leben zur Hölle gemacht – als ganz legale Ersatzstrafe dafür, dass bei kleinen Mengen Cannabis keine größeren rechtlichen Schritte gegen sie möglich sind.

Zum Abschluss der Konferenz wurde Frank Tempel für seine Verdienste um die deutsche Legalisierungsbemühungen mit dem ersten „Hanf-Adler“ geehrt, nicht zuletzt da er im Bundestag den meisten Einsatz für das Thema zeigte. Da er nun aber den Bundestag verlässt und in den Polizeidienst zurückkehrt, steht der erste deutsche Hanf-Adler nun also auf dem Schreibtisch eines Polizisten. Na, wenn das kein gutes Zeichen für die Zukunft ist!

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