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Medizinischer Cannabis-Anbau in Deutschland verzögert sich weiter

Seit etwas über einem Jahr gibt es in Deutschland die Möglichkeit für Ärzte, ihren Patienten Cannabis aus der Apotheke zu verschreiben. Insgesamt wurden zwischen der Gesetzesänderung am 10. März 2017 und Jahresende 44.000 Einheiten Cannabis-Blüten in deutschen Apotheken ausgegeben. Man darf gespannt sein, wie dies weiter verläuft, doch es ist davon auszugehen, dass sich die Nachfrage nach medizinischem Cannabis weiter sehr stark entwickeln wird.

Patienten in Notlage

Dies geht jedoch auch zu Lasten der Patienten, denn bereits jetzt ist die Versorgung dieser sehr schlecht. Eine Vielzahl von Patienten leidet unter den permanenten Lieferengpässen in deutschen Apotheken. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Lieferengpässe für die Blüten einer Pflanze, die mit ein bisschen Wasser und Sonne auf jedem deutschen Balkon wachsen würde, wenn es denn legal wäre.

Jahrelange Vergabeverfahren für den Anbau einer Pflanze?

Aber die deutsche Bundesregierung sieht keinen Eigenanbau vor. Stattdessen sollen die Apotheken mit staatlich lizenziertem Cannabis versehen werden. Doch das ganze Unterfangen entwickelt sich zur Farce: die Ausschreibung zum staatlichen Anbau von Marihuana stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Denn es sollten zehn Lizenzen für zehn verschiedene Sorten Cannabis vergeben werden. Eine Firma konnte sich maximal auf sieben Lizenzen bewerben, das bedeutet, dass die zehn Lizenzen an zwei bis zehn Firmen vergeben werden sollten.

Deutsches Cannabis ohne deutsche Firmen?

Grundvoraussetzung für eine Bewerbung zum Cannabisanbau war jedoch der Nachweis, bereits legal medizinisches Cannabis angebaut zu haben. Und das ist in Deutschland bislang nicht legal möglich gewesen. Somit war ausgeschlossen, dass eine rein deutsche Firma eine Lizenz für den staatlichen Cannabisanbau bekommen konnte. Darüber hinaus war die verbleibende Zeit, um sich einen internationalen Partner mit Erfahrung im Cannabisanbau zu suchen, mit drei Wochen auch mehr als sportlich angesetzt.

Klagen gegen das Vergabeverfahren

Und so passierte auch, womit viele Beobachter von Anfang an gerechnet hatten: es wurde gegen das Vergabeverfahren geklagt. Der von einigen geäußerte Verdacht, dass der ganze Prozess so absichtlich für ein paar weitere Jahre ins Stocken gebracht werden sollte, scheint da zumindest nachvollziehbar. Die für 2019 angestrebte erste deutsche Ernte ist somit nicht durchführbar. Und das ist sehr schlecht für alle aktuellen und zukünftigen Cannabispatienten, denn schon der derzeitige Verbrauch kann durch Importe gar nicht befriedigt werden.

Neustart des Vergabeverfahrens

Vor Gericht wurde nicht nur erfolgreich gegen die zu kurze Frist geklagt. Drei weitere Firmen zogen wegen weiterer Ungereimtheiten vor Gericht, nicht zuletzt wegen der vorausgesetzten Erfahrungen im Cannabisanbau – alle anderen Klagen wurden jedoch abgewiesen. Die klagenden Firmen (und alle anderen) werden aber dennoch eine neue Chance auf eine Bewerbung erhalten, da das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mitteilte, dass die erfolgreiche Klage einen kompletten Neustart des Vergabeverfahrens bedeutet.

Und nun?

Somit bleibt zu hoffen, dass dies alles so schnell wie möglich umgesetzt wird, damit die zahlreichen Cannabispatienten auch an ihre Medizin kommen. Denn nach wie vor schreibt ihnen der Staat vor, im Notfall auf ihr Medikament verzichten zu müssen, statt es legal erwerben oder einfach problemlos selbst anbauen zu dürfen. Seedsman-Kunden aus Ländern mit legalisiertem Cannabisanbau haben Glück, können sie doch aus dem umfangreichen Sortiment Tausender verschiedener Cannabissamen wählen.

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